Ernährung als wesentlicher Treiber des Klimawandels

Unser Essverhalten, insbesondere der hohe Anteil tierischer Lebensmittel, trägt erheblich zum Gesamtausstoß an Treibhausgasen und damit zur Erderwärmung bei. Dennoch gilt unserer Ernährung oft zu wenig Beachtung, wenn es um Maßnahmen gegen die Ursachen des Klimawandels geht. Für geschätzte 40% der gesamten Emissionen der EU ist der Ernährungssektor verantwortlich. Den größten Anteil daran hat die Landwirtschaft, aus der neben Kohlendioxid auch große Mengen Lachgas und Methan in die Atmosphäre gelangen, die weitaus klimaschädlicher sind als CO2.

Treibhausgase in der Nahrungsmittelproduktion

Die Treibhausgase, die unserer Ernährung zuzuordnen sind, werden in direkte und indirekte Emissionen unterteilt. Die indirekten Emissionen machen rund die Hälfte aus. Sie entstehen durch Umgestaltung der Landschaft, z.B. das Abholzen und Abbrennen des Regenwaldes, die Entwässerung von Mooren oder den Umbruch von Grünland zu Ackerflächen. In allen diesen Fällen werden bedeutsame Kohlenstoffspeicher vernichtet. Direkte Emissionen entstehen dann aus der unmittelbaren Nahrungsmittelproduktion, also durch den Anbau von Nutzpflanzen und die Haltung von Nutztieren (je nach Berechnung einschließlich der damit verbundenen Infrastrukturen wie Transporten). Nahezu 70% der direkten Treibhausgasemissionen unserer Ernährung sind auf tierische Produkte zurückzuführen. Vor allem bei der Düngung mit Gülle und Mist sowie beim Einsatz von Mineraldünger wird Lachgas freigesetzt. Methan entsteht bei der Verdauung von Wiederkäuern, wobei Milchkühe die meisten Methan-Emissionen verursachen. Um die Klimawirkung dieser Treibhausgase zu beschreiben, rechnet man ihre Emissionen in CO2-Äquivalente um. Über einen festgelegten Zeitraum haben sie dann die gleichen Auswirkungen wie die entsprechende Menge an Kohlendioxid. So entspricht ein Kilogramm Methan etwa der Wirkung von 25 Kilogramm CO2, Lachgas ist sogar 300 Mal klimaschädlicher als CO2. Die Lebensdauer von Methan in der Atmosphäre ist relativ kurz, sie liegt bei nur 12 Jahren – im Gegensatz zu gut 100 Jahren bei Lachgas und mindestens mehreren Jahrhunderten bei Kohlendioxid.

Massentierhaltung und globaler Wandel

Abgesehen vom Treibhausgasausstoß verursacht die Massentierhaltung noch viele andere gravierende Probleme und ist heute ein Haupttreiber des globalen Wandels, durch den wir das System Erde verändern. Sie ist unter anderem verantwortlich für die Vernichtung des Regenwaldes, vor allem durch den großflächigen Anbau von Soja als Futtermittel für unsere Nutztiere. Die Zerstörung des Regenwaldes führt zum Aussterben von bis zu 150 Tierarten pro Tag. Die Fleisch- und Milchindustrie verbraucht außerdem ein Drittel des Süßwassers der Erde und trägt damit erheblich zur Wasserknappheit in trockenen Regionen bei. Besonders dramatisch ist auch die gewaltige Menge an Ausscheidungen der Nutztiere, die, mit Antibiotika-Rückständen verseucht, in das Grundwasser sickern. Ein Betrieb mit 2.500 Milchkühen produziert so viel Abfall wie eine Stadt mit über 400.000 Menschen. Die gewaltigen Mengen an Kunstdünger und Gülle aus der industriellen Landwirtschaft führen zu einer massiven Nährstoffbelastung terrestrischer und mariner Lebensräume.

Das Bild unserer Erde hat sich durch den gewaltigen Zuwachs an Nutztieren völlig gewandelt: Vor 10.000 Jahren machten wildlebende Tiere 99% der Biomasse der Erde aus und die Menschen gerade einmal 1%. Heute, aus erdgeschichtlicher Sicht nur einen Wimpernschlag später, nehmen wir Menschen und unsere Nutztiere 98% der Biomasse der Erde ein und freilebende Tiere nur noch 2%.

Was kann ich tun?           

Der Anteil am globalen Treibhausgasausstoß, der auf die Landwirtschaft mit Nutztieren zurückzuführen ist, beträgt je nach Berechnungsweise zwischen 25 (sehr vorsichtige Schätzung) und 50%. Mit einer pflanzenbasierten Ernährung kann jeder einzelne seinen CO2-Fußabdruck um ungefähr die Hälfte reduzieren. Eine Reduktion von Fleisch, aber auch von anderen tierischen Produkten, leistet in jedem Fall einen sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz. Fleisch aus ökologischer Tierhaltung (ohne Zufütterung mit industriell angebauten Futtermitteln) oder von Wildtieren (beispielsweise Wildschwein, Reh) bietet Alternativen für einen maßvollen, ökologisch vertretbaren Fleischkonsum. Auch die Orientierung an regionalen und saisonalen Produkten ist Teil einer klimaschonenden und ökologisch verträglicheren Ernährung. Die billigen Preise für Produkte der Massentierhaltung spiegeln übrigens in keiner Weise die wahren Kosten wider, die durch deren Produktion entstehen – sie werden zukünftigen Generationen aufgebürdet.

 

Weiterführende Studien:

Fleischatlas 2018

WWF-Studie: Klimawandel auf dem Teller

Filmtipp:

WissensWerte: Fleisch und Nachhaltigkeit

Anregungen für Ihre Ernährung:

Vegan taste week

Jetzt CO2-Emissionen berechnen und kompensieren